Allendes
Familienchronik
Günther
Wessel
über die „Kennedys
von Lateinamerika"
Kieler Nachrichten
17. September 2002
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Sie kämpften
für bürgerliche Freiheitsrechte, gründeten
Krankenhäuser, fochten für die Trennung von Staat und Kirche
und für sozialen Fortschritt. Die Allendes gehörten nie zur
reichen chilenischen Oberschicht; die „Kennedys von Lateinamerika“
standen für Aufbruch und Veränderung. Der Vergleich, den
Günther Wessel in seinem Buch wagt, erweckt den Eindruck eines
publicity-trächtigen Arbeitstitels, den sich der Verlag ausgedacht
hat. Aber das Buch erzählt auch auf kurzweilige Art die
Familienchronik der Allendes von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis
heute. Wessel, bisher als Reisebuch-Autor bekannt, verknüpft
biografische Folklore mit politischen Fragen und geschichtlichen
Zusammenhängen. Der Tag des Putsches, jener 11. September 1973, als
Allende endgültig zum Mythos wurde, ist reportagenhaft packend
beschrieben. Ein Foto zeigt den Präsidenten mit Augusto Pinochet –
kurz vor der Machtübernahme durch die Militärs.
Allende, Zeitgenosse Che Guevaras, verkörperte weniger radikale
Ideen als der kubanische Revolutionär. Längst bevor Fidel
Castro und Che Guevara 1959 den Diktator Batista gestürzt hatten,
hatte sich Allende um das Präsidentenamt in Chile beworben. Doch
erst der vierte Versuch 1970 war erfolgreich. „Es ist ein interessantes
Gedankenspiel, sich zu überlegen, wie sich Lateinamerika entwickelt
hätte, wenn Allende 1958 die Wahlen gewonnen hätte“,
spekuliert Wessel. „Damals war Kuba noch kein sozialistischer Staat,
damals gab es noch keine politischen Systemauseinander- setzungen in
Lateinamerika.“ Solche poli- tischen Fragen hätte man sich
häufiger gewünscht. Wessel aber verfolgt lieber die
Einzelschicksale der Allendes, etwa der drei Töchter, von denen
eine heute in San- tiago Politik macht. Ganz im Sinne einer
Familienchronik.
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Günther Wessel: "Die Allendes. Mit brennender Geduld für eine
bessere Welt". Campus Verlag, 224 S., 26,50 €.
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