Stories


t
  Special: Chile
 
Bei
Schrippen und

Streuselkuchen

Chiles Backgewerbe will Kontakte nach Europa knüpfen

Ziel ist ein Ausbildungszentrum
für Bäcker in
Santiago

 

Frankfurter Rundschau
9. Juli 2002





Birgit Heitfeld
storydesk@heitfeld.biz




In Chile wird viel Brot gegessen, denn die europäischen Einflüsse auf das Backgewerbe des Landes sind unverkennbar. Doch die Produktion ist ineffizient. Was fehlt, sind moderne Maschinen und ausgebildete Bäcker, die mit diesen Maschinen umgehen können. Arbeitgeber und Gewerkschaft wollen nun gemeinsam Abhilfe schaffen: Das Ziel ist ein Ausbildungszentrum für Bäcker in der Hauptstadt Santiago.

Der Duft von Kuchen und frischem Brot lockt in die Panadería (Bäckerei) im Stadtteil Providencia in Santiago de Chile. Auch Empanadas (gefüllte Teigtaschen) oder „Hallulla“ (Schrippen) gibt es hier. „Das hier sind Kuchenes“, erklärt die Verkäuferin und zeigt auf ein Etikett mit der Aufschrift „Apfelkuchen de Manzanas“ (Apfelkuchen vom Apfel). Auch „Shtroiselkujen“ sei vorrätig. Die Einflüsse im Backgewerbe in diesem südamerikanischen Land kommen alle aus Europa. Die 100.000 deutschstämmigen Menschen in Chile haben sich in der Kuchen- und Tortenkultur des Landes kulinarisch verewigt. Verkauft werden die Brötchen per Kilogramm, nicht wie bei uns per Stück.

Der Pro-Kopf-Verzehr an Brot und Backwaren ist mit dem hierzulande (85 Kilogramm pro Kopf pro Jahr) vergleichbar. Ähnlich wie in Europa machen die großen Industriebäckereien, wie zum Beispiel San Camillo und Idea, den Handwerksbetrieben große Konkurrenz. Der Trend, Brötchen an Tankstellen zu vertreiben, hat sich auch in Chile durchgesetzt. Insgesamt gibt es in diesem kleinen Land 25.000 Bäcker (Deutschland: knapp 20.000 Bäckereibetriebe). Sie gelten als „Trabajadores“ (Arbeiter). Sie arbeiten meist im Sechs-Stunden-Schichtbetrieb, in einer Art Akkord. Der Mindestlohn für Arbeiter und Angestellte im Backgewerbe pro Monat beträgt umgerechnet etwa 300 Euro. Damit liegt er immer noch um 25 Prozent höher als der generelle Mindestlohn im Land. Zum Vergleich: Die Lebenshaltungskosten in Santiago sind fast so hoch wie in Hamburg.

Ein Ausbildung zum Handwerker wie hier zu Lande existiert nicht. Gewerkschaftschef Guillermo Cortez möchte das – zumindest in einigen Bereichen – gern ändern. Aber dazu würden Geld und Know-how aus Europa benötigt, sagt er. Guillermo Cortez steht als Präsident der Gewerkschaft Conapan 20.000 Arbeitnehmern aus der Brotindustrie vor. In dem zweiten Branchenverband namens „Fechipan“ (Federación Chilena de Panaderías) haben sich die Arbeitgeber (1.000) Mitglieder zusammen geschlossen. Beide Organisationen wollen nun gemeinsam für Verbesserungen in punkto Weiterbildung eintreten. 

Von den italienischen Gewerkschaften haben sie hochmoderne Maschinen für den Brotbackbetrieb geschenkt bekommen. Wert: 150.000 Euro in Sachmitteln. Die Idee: Ein Ausbildungszentrum in der Haupstadt Santiago einzurichten. Der Verband „Fechipan“ würde die Räume zur Verfügung stellen. Moderiert wird der Prozess von der deutsch-chilenischen Handelskammer. Jetzt werden rund 30.000 Euro benötigt, um das Ganze als Fortbildungs- einrichtung erst einmal in Gang zu bringen und mit Inhalt zu füllen. Ziele und Themen der angedachten Kurse? „Die Angestellten sollen befähigt werden, die Maschinen zu nutzen, zu warten sowie neue Produkte und Rezepturen herzustellen“, skizziert Francisco Rivas Fómez, Generalsekretär der „Corporación Latinoamericana Europea de Desarrollo Social“ (Europäisch-Lateinamerikansiche Stiftung für soziale Entwicklung). Die Menschen in den verantwortlichen Positionen müssten in Betriebswirtschaft und Betriebsführung geschult werden. Auch Umweltschutz sei ein wichtiges Thema.

Man wolle nicht einfach nur Geld aus Deutschland, sondern am liebsten einen längerfristigen Sponsor, mit dem man die Inhalte gemeinsam entwickeln kann. Die Devise für Francisco Rivas Gómez heißt: Hilfe zur Selbsthilfe. Auch Austausch von Lehrenden und Lernenden sei aus Sicht der Chilenen sehr begrüßenswert, so Cortez und Rivas einmütig. Das Projekt ist gemeinnützig.












Kontakt & weitere Infos:

Rolf Kaeser

Camchal Camara Chileno-Alemana de Comercio y Industria

P.O. Box
Casilla 19, Correo 35
Santiago de Chile
Tel. 0056-2-2035320
capacitacion@camchal.com
  



Home






Home