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Special: Chile |
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Porträt über die Tochtergesellschaft Beiersdorf SA Chile Beiersdorf Journal Juni/Juli 2002 Birgit Heitfeld storydesk@heitfeld.biz |
Schönheitswettbewerbe
sind in Südamerika en vogue. In Kolumbien, Venezuela, Argentinien.
In Unis, Clubs und Schulen. Wenn es um die nationalen Beauty-Champions
geht, ums Krönchen und den begehrten Titel „Reina de Belleza“,
kennen Südamerikaner kein Halten mehr. Genau genommen ist so ein
Spektakel, jedenfalls auf nationalem Level, direkt hinter der
Präsidentenwahl anzusiedeln. So haben „Ex-Misses“ beste Chancen:
ob
als Model, Präsidentengattin oder Talkmasterin. Oft engagieren sie
sich aber auch als brillante Botschafterinnen für soziale und
öffentliche Angelegenheiten. Seit fast 40 Jahren hat der hemdsärmelige Routinier in Chile die Fäden fest in der Hand. „Mich haben diese Länder immer interessiert, weil man noch so viel machen kann“, sagt er lapidar. In den 60ern, nachdem Klosterschule und kaufmännische Ausbildung in Süddeutschland absolviert waren, packte Conradi kurzerhand seine Koffer und kaufte ein Flugticket nach Peru. Das war der Beginn seiner Karriere. Heute betreut der Chile-Chef auch die Nieder- lassungen in Peru, Bolivien, Paraguay und Uruguay. Rückblende.
Nachmittags, 16 Uhr. Die chilenische Niederlassung, die Conradi
aufgebaut hat, befindet sich am Rand der Hauptstadt Santiago, im Barrio
Lo Espejo in Maipú. Von der letzten U-Bahn-Station ist es noch
eine Fahrt mit dem Taxi, bis man das 60.000 Quadratmeter große,
mit
Palmen bewachsene Firmengelände erreicht, das den Blick auf die
Anden freigibt. An der großen Nivea-blauen Fußmatte mit dem
Schriftzug „Beiersdorf“ führt kein Weg vorbei. Zweiter Stock, am
Ende des Ganges, Zimmer 301. “Presidencia“. In
Conradis klimatisiertem Büro stehen aufgereiht all die Produkte,
die auch auf der südlichen Hemisphäre vertrieben werden: ob
Nivea, Hansaplast oder 8 x 4. Der Blick schweift hinaus aus dem Fenster
auf das Firmengelände, dass der Boss seinerzeit für
Beiersdorf
selbst erworben hatte. Hinter seinem ausladenden Schreibtisch mit
aufgeklapptem Notebook hängt eine historische Weltkarte. Darauf zu
sehen: auch alle die Gebiete, die bereits erfolgreich „niveasisiert“
wurden, einschließlich Feuerland und der Osterinsel. Conradi
zeigt
alte Zeitungsausschnitte aus der nationalen Tageszeitung „El Mercurio“.
In den Gesellschaftsspalten wurde ausführlich berichtet, wie
Kunden
im Rahmen der Nivea-Einführung in einem ausgedienten
Präsidentenflugzeug auf die 4500 Kilometer entfernte Insel „Rapa
Nui“ (polynesisch für Osterinsel) geflogen wurden. Conradi ist Chef von insgesamt 360 Mitarbeitern. Im chilenischen Werk sind 138 Arbeiter im Drei-Schichten-Betrieb tätig, davon 72 Festangestellte. Jährlich werden hier 6.000 Tonnen Kosmetika aus Rohstoffen hergestellt – beispielsweise Nivea Body, atrix oder pH5 Eucerin. Conradi zeigt zwei neue Maschinenin der Produktionshalle: eine Mixanlage und eine Abfüllmaschine. Damit können die Kapazitäten um 20 Prozent erhöht werden. Mehr als vier Fünftel der Waren, die das Firmengelände verlassen, sind für den Export bestimmt. Die Niederlassungen in den anderen Ländern zeichnen im wesentlichen für Marketing und Verkauf verantwortlich. In Peru und
Kolumbien gibt es kleine Werke, die zum Beispiel Heftpflaster
herstellen. Angeboten werden in den südamerikanischen Ländern
Nivea Creme, Nivea Soft, Nivea Visage, atrix, Nivea Sun und einige
Produkte aus der Reihe Nivea Body. Der Vertrieb erfolgt über
Supermärkte, Apothekenketten und große Kaufhäuser wie
„Falabella“ oder „Paris“. „Die Apotheken bedienen die Kunden mit
deutlich günstigeren Preisen als in Deutschland“, so Conradi. PR-Aktion beim Rodeo Gegen 19 Uhr verlässt Conradi sein Büro. Sein Weg führt ihn über das Gelände zu einem Carport, wo sein weißer VW Käfer aus Mexiko auf den Ausflug zum Restaurant wartet. Während er dem Pförtner aus dem Autofenster zuwinkt, erzählt er von seiner Arbeit, die oft mit Reisen und noch öfter mit organisatorischen Unwägbarkeiten verbunden ist. Ob bei Problemen mit dem Grundbuchamt in Paraguay oder bei schlagkräftigen PR-Aktionen – Südamerika, so scheint es, ist in vieler Hinsicht ein Arbeitsumfeld, das unternehmungslustige, unkonventionelle Chefs verlangt. „El Presidente“ ist über sechs verschiedene Telefonnummern – drei mobil, drei fürs Festnetz – stets irgendwie erreichbar. „Wir wollten Nivea for Men einführen“, berichtet er augenzwinkernd, „und fragten uns, welche die geeignete Location für die Produkteinführung sein könnte. Da in Chile Rodeo als Sportart ja sehr beliebt ist, dachten wir uns: Warum nicht das Ganze sponsern, Nivea for men ist ja auch was für richtige Männer.“ Das Ergebnis gab ihm Recht: Das Ganze hat funktioniert und die Produkteinführung war ein großer Erfolg.
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