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| Wo Chefredakteure speisen Tschüss, Schmuddel- Flair: Hamburgs Hafen ist heute Szene-Treff. Wer sich auskennt, bekommt gutes Essen, eine spekatakuläre Aussicht - und interessante Gäste Handelsblatt Weekend Journal 27. Dezember 2002 Birgit Heitfeld storydesk@heitfeld.biz |
"Kanzler
Schröder würde sich hier wohlfühlen", bemerkt Douglas
Davies, Boeing-Ingenieur aus Seattle. Durch die deckenhohen
Glaswände schweift sein Blick über die abendlich funkelnden
Lichter der Hamburger Hafenanlagen inklusive der Bussi-Bussi,
Chi-chi am Tisch gegenüber. Nebenan zwei Hanseatentöchter in
Dunkelblau mit Ehering, bei den Geschäftsmännern dahinter wird
verbales Testosteron verschossen. "Darlin Harbour", an der Nahtstelle
der ehemals verruchten Hafengegendzum feinen Övelgönne, ganz
in der Nähe des Museumshafens, gehört zu den In-Plätzen
der Hansestadt, hier geben sich Medienleute, Business-Volk und Promis
die Klinke in die Hand. Da sieht man über kulinarische
Spitzfindigkeiten wie die Hauch zu kross gebackenen Cannelloni und den
fast zu weich gekochten Spinat glatt hinweg. Szene-Restaurants
und Bürohäuser reihen sich an der Hamburger Elbfront wie auf
einer Perlenkette auf. Dieses Bild diente Stadtplanern und Architekten
jahrelang als Vision für das Elbufer in Altona - jetzt ist sie
verwirklicht. Den Anfang der Perlenkette machte vor Jahren das "Rive",
bestehend aus der "Oyster Bar" und dem eigentlichen Restaurant, das sich
auf "Seafood Classics" spezialisiert hat. Landeier kommen
per Taxi oder Edelkarrosse über die Große Elbstraße.
Die exklusivere Aussicht aber bietet die schnöde Pendlerfähre
ab Landungsbrücke 3. Sie zieht vorbei an den gigantischen Docks von
Blohm & Voss, stoppt am historischen Fischmarkt, fährt vorbei
am Anleger für die Engalnd-Fähre bis hin zum Mueseumhafen mit
den alten Holzseglern. Vorbei die Zeiten,
als die Hamburger Gastro-Szene am Hafen bekannt war für Pannfisch
und Finkenwerder Scholle, serviert von einer Traumschiff-Kellner-Kopie
aus dem Sonnenstudio. Auch die Klischees von Krabbenbrötchen und
rauem Hafengegend-Charme verflüchtigen sich. Sushi und Pasta konkurrieren mit der traditionellen Finkenwerder Scholle Neben dem teuren
Fischereihafen-Reaurant mit der traditionellen Fischkarte zog
Henssler & Henssler ein, das sich eher unter den Sushi-Liebhabern
etabliert. Das "Au-Quai", von Chefredakteuren und Machern aus der
Medienszene stark frequentiert, bietet mediterrane Küche mit
französischem Flair. Weniger trendy,
aber sehr stimmungsvoll ist das beinahe benachbarte Lokal "Lust auf
Italien". Der Name ist Programm: Italienische Mama-Küche wird an
langen Tischen mit karierten Papierdecken serviert. Weinkisten
füllen die Regale an den Wänden. Das Ambiente ist entspannend
und unprätentiös. Mittags brummt der Laden. Bestellt wird vorn
an der Theke, wo man die Tageskarte studieren kann. Jeder Gast
erhält dann eine Nummer. "Das ist 13!" sagt die Bedienung.
"Muss man sich das hier auch selbst abholen?" fragt Neukunde Rainer
Winzenried, Shell-Pressesprecher, erstaunt. Auf den langen Bänken
sitzt es sich wie im bayerischen Bierzelt. Nur allzu leicht verstreicht
die Zeit hier bei Antipasti, Penne alla Rabiata und
Capuccino. Gehobene
italienische Küche bietet "La Vela". Wer einen Snack wie
mediterrane Tomatensuppe, Quiche, Kuchen, dazu Capuccino möchte,
ist in der Brasseria gerade richtig. Die kleine Gastro-Location
befindet sich im Stilwerk, einer zur Möbel-Einkaufspassage
umgebauten alten Malzfabrik. Bis vor kurzem
befand sich weiter oben an der großen Elbstraße der
Autorstrich. doch das horizontale Gewerbe und seine
heimlichtuerischen Kunden haben sich mit der Modernisierung des
Viertels nach und nach zurück gezogen.: Von verruchter
Hafenromantik ist in dieser Gegend kaum noch etwas zu spüren.
Aber immer spätestens dann, wenn Promis wie der Blödelbarde
Otto oder Sänger Marius-Müller Westernhagen und die
Klatschkolumnisten der Lokalpresse in einem neu entstehenden Quartier
aufkreuzen, weiß man: Dieser Ort ist bal angesagt. Das gilt gerade
für das "Indochine", das andere Edelrestaurants wie "Au Quai" oder
"Darling Harbour" schlagartig von den ersten Rängen der
Beliebtheitsskala verdrängt hat. Dabei hat der Glaskubus mit der
teuren Asia-Küche zwar internationales Flair, verspräht aber
wenig individuellen Charakter. Ein
Buddha an der Bar: Im Indochine schimmert es golden zwischen
gemütlichen Ledersofas Das Indochine ist
der erste ausländische Ableger einer Restaurant-Kette aus Singapur.
Das Unternehmen besitzt in seiner Heimat neben Anbietern von
Yachtausflügen auch Kunstgalerien. Das Beste an der Hamburger
Indochine-Filiale ist die Bar im Erdgeschoss - mit gemütlichen
braunen Ledersofas, überdimensionalen Kronleuchtern und riesigen
Buddha-Statuen. Empfehlenswert:
die süß-saure Fischsuppe, die als Entrée im Restaurant
im ersten Stock serviert wird. Die geröstete Curry-ente hingegen
lässt angesichts der stolzen Preise, die hier aufgerufen werden, an
Klasse zu wünschen übrig. Und wei die Beleuchtung im
Indochine des abends zu hell ist muss man sogar auf den nächtlichen
Ebl-View verzichten. |
Darling Harbour Neumühlen 17 Tel. 040/3808900 www.darling-harbour.de Indochine Neumühlen 11 Tel. 040/38807880 www.indochine.com.sg/ germany/html Lust auf Italien Große Elbstraße 133 Tel. 040/382811 www.lustaufitalien.de Brasseria Sitlwerk Große Elbstraße 68 Tel. 040/30621185 www.stilwerk.de/service/ gastronomie/ content_gastro.htm Au Quai Große Elbstraße 145 b-d Tel. 040/38037730 www.au-quai.com Rive Van-der-Smissen-Str. 1 Tel. 040/3805919 www.rive-hamburg.de Fischereihafenrestaurant Große Elbstraße 143 Tel. 040/381816 www.fischereihafen- restaurant-hamburg.de Henssler & Henssler Große Elbstraße 160 Tel. 040/3869900 www.h2dine.de La Vela Große Elbstraße 27 Tel. 040/38699393 www.la-vela.de Home |
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