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| Filme für das Handy Kino und Internet wachsen zusammen: Zwei Hamburger Firmen verbreiten Kurzfilme im Netz Berliner Zeitung, Medien 7. November 2000 Birgit Heitfeld storydesk@heitfeld.biz |
In einem
briefmarkengroßen Filmausschnitt sausen kleine Quadrate und
Rechtecke in Rot und Blau mit musikalischer Untermalung über die
Bildfläche. Das freche Mini-Filmchen heißt "Takewipe FC",
Untertitel: "Aparte Choreographie ausgewählter Primärfarben".
Es dauert genau 1 Minute und 59 Sekunden, und ist zu sehen auf der
Website von Bitfilm, wo es auch andere Miniatur-Movies, unter anderem
mit Heike Makatsch, zu bewundern gibt. Die Bitfilm AG ist
das erste digitale Filmportal Deutschlands, vergleichbar mit
amerikanischen Websites wie i-Film oder Atom Films. Die Hamburger Firma
liefert Internet-Heimkino: Die Bitfilm-Macher, Aaron Koenig (36) und
Peter Lorenz (33) betreiben ihre virtuelle Traumfabrik IRL (In Real
Life) mitten in der Hamburger City - in einem Bürogebäude
namens Fleethof. Ihre AG, die mit
der Hamburger KurzFilmAgentur kooperiert, richtet sich nicht allein an
Konsumenten und Zufalls-Cineasten, solche, die im Bürosessel
surfen und sich während der Arbeitszeit gern mal zur Abwechslung
einen Mini-Movie reinziehen wollen. Jeder kann zum Filmemacher werden,
lautet vielmehr das Credo von Aaron Koenig. Web als
Abspielstation Mit ihrem
Webangebot wollen die beiden "die Kluft zwischen den so genannten
Profis und den Filmamateuren verringern". Der Zuschauer werde
gleichzeitig Produzent, kann das Web als Abspielplattform nutzen. Das
Internet verschmilzt mit Kino und Fernsehen. Klein, schnell,
sexy müssen die Mini-Movies sein, die Amateure dort einreichen
können. Entweder ganz ohne Text, in deutscher Sprache oder in
einfachem Englisch. Untertitel sind bei dem Miniaturformat nicht
möglich. Akzeptiert werden am Computer bearbeitete Filme sowie
digitale Animationen in Director oder Flash. Auf der Website gibt es
verschiedene Themensparten: Life, Fun, Lab und Trash. Ein anderes
deutsches Film-"Schaufenster", das in Hamburg vor wenigen Wochen mit 20
Mitarbeitern eröffnete, heißt "Filmgarten". Hinter der
verantwortlichen I AM Media GmbH stecken die Teilhaber Klaus Rosenau und
die Firma Ponton Group mit dem Chef Salvatore Vanasco. Das Unternehmen
ist im Stadtteil Altona beheimatet und veranstaltet auf seiner
Filmgarten-Site ein ganzjähriges Filmfest. In Gefahr und
höchster Not Die so genannten
Themenfestivals mit Titeln wie "Nightlife", "Wendepunkt" oder "Bei
Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod" werden
alle drei Monate neu aufgelegt. "Wir haben eine professionelle Jury",
sagt Filmgarten-Pressesprecher Nikola Mirza. Darin sitzen zum Beispiel
Dieter Kosslick von der Filmstiftung NRW oder Michael Weber, Leiter der
Bavaria Film International GmbH. Dass fast nur Kinoprofis in der Jury
sitzen hat mit der inhaltlichen Zielrichtung von Filmgarten zu tun: man
will eine Fortführung des klassischen Filmbetriebs erreichen -
aber im Web. Anders als Bitfilm
mit seinem innovativen Anspruch ist Filmgarten inhaltlich mehr auf
Mainstream und Kommerz ausgerichtet. Der Schwerpunkt liegt nicht auf
digital produzierten Filmen. Bewerber können auch laufende Bilder
auf 16- oder 35 Millimeter einreichen. "Wir wollen die
Unterhaltungs- und die Business-Plattformen kombinieren", skizziert
Mirza. Mit anderen Worten: Das Festival ist nur ein Bereich bei
Filmgarten. Die Website soll mittelfristig zur
Business-to-business-Plattform für Filmemacher, Produzenten und
Drehbuchautoren ausgebaut werden. Aaron Koenig von
Bitfilm hingegen, der in Rio de Janeiro/Brasilien sein Filmdiplom
absolvierte, will am liebsten ein neues Filmformat in Europa
fördern und etablieren. Geschäftskontakte nach
Großbritannien und Skandinavien seien bereits geknüpft,
glaubt er. Kleine Streifen seien gefragt, die man in der Zukunft zum
Beispiel auf Handys und auf den Portalen der großen
Internet-Anbieter anschauen kann. Filme für zwischendurch eben.
Eine Dienstleistung ganz im Zeichen des derzeitigen Webtrends: Content
verzweifelt gesucht! Zuschauer stimmen
ab Das Archiv der
digitalen Filmfirma wächst beständig. Alle zwei Wochen werden
neue Filme auf die Bitfilm-Page gestellt, später soll die Site
wöchentlich aktualisiert werden. Die Zuschauer können
über die Qualität der kleinen Kunstwerke abstimmen. Das
Investitionskapital für Bitfilm kam bisher vorwiegend von so
genannten Business Angels. Die Stadt Hamburg unterstützte das
digitale Filmportal mit 100 000 Euro. Jetzt haben die Macher sich um
europäische Projektgelder beworben. Auf allen Filmfestivals sind
"Agenten" von Bitfilm unterwegs, um junge und unbekannte Künstlern
aufzuspüren. Vornehmlich solche, die sich für digitales Kino
interessieren. Aaron Koenig und
Peter Lorenz möchten ihr Unternehmen nicht
aufs Kommerzielle beschrän- ken, sondern sich auch einen Ruf als
"Insti- tut für Talentförderung" erarbeiten. Also eine
gewisse "street credibility", Glaub- würdigkeit in der Szene,
erhalten. Und: Mittler zwischen den Interessen der Künstler und der
großen Filmeanbieter sein. |
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