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 Ready For Take-Off

Flugzeuge
im Kopf

Lärm ist eines der größten Umweltprobleme. Die Emissionen der Flughäfen machen besonders den Anwohnern
zu schaffen

Kieler Nachrichten
Journal
5. Oktober 2002



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Wer Klaus Köhler am Hamburger Flughafen erreichen will, muss sich auf eine weibliche Mailboxstimme gefasst machen. "Die Dienststelle des Fluglärmschutzbeauftragten ist zurzeit nicht besetzt. Sie können uns aber eine Nachricht oder Beschwerde auf Band sprechen." Rund 2000 Beschwerden lärmgeplater Flughafenanwohner verzeichnete Köhler im vergangenen Jahr: zu viele Flugbewegungen, veränderte Routen, Schlaf raubender Lärm zu nächtlichter Stunde. Tendenz: abnehmend. Auf der Website www.fluglaerm-hh.de ist die Hamburger Lärmsituation detailliert in Tabellen, Diagrammen und Grafiken nachzulesen. Anwohner, die sich vom Lärmteppich des Startbahnkreuzes in Fuhlsbüttel beeinträchtigt fühlen, können beim Flughafen den Einbau von Lärmschutzfenstern oder Wandlüftern beantragen. Gratis oder mit Zuzahlung - je nach Lage der Wohnung und Lärmklasse. "Längst nicht alle Haushalte haben das in Anspruch genommen", sagt Demet Cekel. Die Pojektleiteri beim Flughafen Fuhlsbüttel kann die Gründe nur vermuten: Entweder sei der Lärm für viele dann doch nicht so schlimm. Oder die Befürchtung, dass dann das Nachtflugverbot langfristig unterlaufen werden könnte, lasse manche Anwohner auf den Schallschutz verzichten. Seit 1976 investierte der Airport in Hamburg insgesamt 34 Millionen Euro in den sogenannten passiven Lärmschutz.

Dass zuviel Krach krank macht, ist bekannt. "Dauerlärm bedeutet für den Körper Dauerstress", sagt Monika Drexler vom Referat  für Umwelt und Gesundheit der Stadt München. "Der Mensch ist ständig in Alarmbereitschaft . Hoher Blutdruck, Gefäßverkalkung und ein erhöhtes Infarktrisiko können langfristig die Folgen sein." Bei nächtlichem Verkehrslärm über 60 Dezibel steige das Risiko auf einen Herzinfarkt auf lange Sicht an. Besonders Kinder reagierten empfindlich auf Lärm , so Drexler. Schlafstörungen und Gereiztheit seien die Folge. "Lärmstress stört die Dauer und Häufigkeit unserer Traumphasen, die der Bewältigung von Psychomüll dienen."

Beim DLR (Deutsches Institut für Luft- und Raumfahrt) in Köln läuft gerade ein vierjähriges Forschungsprojekt, bei dem die genauen Wirkungen von Fluglärm auf den Schlaf untersucht werden sollen. Dabei sollen die Ergebnisse von 192 Versuchspersonen in 2500 Untersuchungsnächten erfasst und ausgewertet werden. Ein Einwand der Kritiker, sagt der Leiter des Projekts, Alexander Samel, sei, dass durch diese Studien über Verträglichkeit und Unverträglichkeit der Lärm erst salonfähige gemacht würde.

Die Kritiker von der BIG sind in Hamburg leise geworden. Keiner reißt sich derzeit um Interviews. Ist es in Wahrheit doch nicht so arg mit dem Fluglärm? "Wir warten das Ergebnis des letzten Verwaltungsgerichtsverfahrens gegen den Hamburger Flughafenausbau Anfang 2003 ab", sagt der 2. Vorsitzende der Initiative, Horst Balzen. Im Dezember auf der Mitgliederversammlung wolle man sich neu positionieren. "wir wollen die politischen Verursacher des Lärms attackieren", so Balzen zur neuen Strategie.

Szenenwechsel: Flughafen Parchim, Mecklenburg. Auf einer unbebauten Fläche des Flughafengeländes sind sind 240 Mikrofone auf Holzplatten aufgebracht worden. Eine Art akustische Kamera. Professor Wolfgang Neisemit seinem Team vom Institut für Antriebstechnik des DLR nimmt Geräuschproben von überfliegenden Flugzeugen. Im Visier haben die Wissenschaftler eine Boeing MD 11, ein klassisches Frachtflugzeug, das von drei Testpiloten sieben Stunden lang im Niedrigflug über dem "Microfon Array" hin und her fliegt.

Die Feldversuche des Forschungsprogramms "Leises Verkehrsflugzeug" erfolgen in Zusammenarbeit mit Lufthansa, Flugzeugherstellern und Behörden. Mit den Daten, die binnen eines Jahres wissenschaftlich ausgewertet werden sollen, will man herausfinden, wo sich weitere vermeidbare Lärmquellen am Flugzeug befinden. Neben dem Triebwerkslärm (Triebwerksstrahl, Fanrotor, Verdichter, Brennkammer, Turbine) sollen die Bauteile untersucht werden, die den "Umströmungslärm" ausmachen, z.B. Windgeräusche durch ausgefahrene Fahrwerke. Auch offene Hohlräume erzeugen Geräusche. Selbst an modernen Flugzeugen wie dem Airbus A 319 sollen heul-, Brumm-, Pfeif- und Rauschtöne weiter vermindert werden.

Umströmungslärm kommt eher bei der Landung zum Tragen, Triebwerkslärm eher beim Start. Flugzeugbauer und Airlines haben ein wachsendes Interesse am "aktiven" Schallschutz - allein aus wirtschaftlichen Gründen. Einige Airports versuchen, durch finanzielle Anreize das Lärmbewusstsein der Gesellschaften zu steigern. Fuhlsbüttel etwa hat 2000 ein sogenanntes "Pricecap" aufgelegt - mit niedrigeren Landegebühren unter anderem für leise Maschinen. Die British Airport Authority (BAA) will bis März 2005 in bestimmten Gegenden rund um den Londoner Flughafen Heathrow den Lärm um zehn Prozent reduzieren. Den Druck, der damit auf die Fluglinien und deren Flottenpolitik ausgeübt wird, geben diese weiter an die Flugzeugbauer. Und die kämpfen um weitere Dezibel Lärmreduzierung. An- und Abflugrouten werden studiert, um die nachbarschaftsverträglichsten Starts und Landungen zu ermöglichen. Doch eine geänderte Streckenführung bei An- und Abflug bedeutet in dichtbesiedelten Gebieten oft nur eine Umverteilung der Belastungen auf andere Menschen.

Bis zum Jahr 2020, so schätzen Lufthansa-Experten, wird sich die Zahl der Flugbewegungen weltweit verdoppeln. Der Frankfurter Flughafen wird dann voraussichtlich 70 Millionen Passagiere zählen. Karlheinz Haag, Leiter Umweltkonzepte bei Lufthansa, wirbt für die Position des größten deutschen Carriers. "Seit zehn Jahren ist das Luftverkehrsaufkommen um 47 Prozent gestiegen, doch der nach dem Fluglärmgesetz berechnete Dauerschallpegel am Frankfurter Flughafen ist weitgehend unverändert geblieben. Anwohner mögen das als schwachen rost interpretieren.





















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