Surfen über
den Wolken
Projekt "Flynet":
Lufthansa probt Weltpremiere mit
Breitbandinternet an Bord
Stuttgarter Zeitung
Computer
12. Februar 2003
Hamburger
Abendblatt
Extra-Journal Luftfahrt
25. Februar 2003
www.heitfeld.biz
storydesk@heitfeld.biz
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„Plopp!“ 40
Sekunden dauert es vom Klick bis zur Meldung: „E-Mail verschickt“. Dass
der elektronische Postbote über den Wolken mit leichter
Zeitverzögerung funktioniert, erklärt Andy Schweiger von
Lufthansa Sytems mit „Latenzzeit“. Die wird benötigt, um eine Mail
vom Flugzeug (12.000 Meter Höhe) zum Satelliten (36.000 Meter) und
von dort aus zu den Bodenstation zu senden und die Rückmeldung
wieder zurück ins Flugzeug. - Während die Stewardess auf dem
Flug LH 418 von Frankfurt nach Washington gerade das Dessert,
Mousse-au-Chocolat und Kaffee serviert, geben smarte Flynet-Assistenten
Tipps zur Nutzung des Internet an Bord.
Das
Verbindungskabel meines Laptops ins Ethernet an Bord des
Lufthansa-Jumbo „Sachsen-Anhalt“, dem weltweit ersten Protoyp eines
Passagierflugzeugs mit Internet an Bord, steckt in der Dose unter den
Lebensrettungsjacken, zwischen Sitz und Fußboden der Kabine. Die
110-Volt-Strom- verbindung befindet sich in der rechten Sitzlehne,
ebenso der Stecker für das Bordradio-Kabel. Will man nun zur
Toilette, ist ein Kletterkunsttück vonnöten, denn
zusätzlich will ich meinen Sitznachbarn nicht wecken, der seelig
schlummert. Das ist ein Grund, wieso Burkhard-Wigger, Flynet-Projekt-
leiter bei Lufthansa, langfristig für Wireless LAN plädiert.
Schon jetzt ist es möglich, mit den Notebooks, die die Lufthansa
während des Fluges gratis ausleiht, drahtlos zu surfen. Allerdings
nur für dieses eine Laptop-Modell; eine allgemeingültige
Spezifizierung für andere Geräte gibt es aus gesetzlichen
Gründen noch nicht. Der Flynet-Versuch mit den Gratisgeräten
läuft bis April, und zwar ausschließlich auf der Strecke
Frankfurt-Washington. Später, wenn Internet an Bord in Serie geht,
muss jeder der surfen will, sein eigenes Gerät mitbringen.
Dann
sollen zunächst die Fragebögen der Passagiere ausgewertet
werden. Mitte 2004 könnte dann der Routinebetrieb beginnen. „Ein
sportlicher Zeitplan!“ räumt Wigger ein. Das heißt, die
Hälfte der Lufthansa-Langstrecken- flotte, also 40 Flugzeuge, auch
Airbus-Flieger, sollen bis dahin ausgerüstet sein. Flugzeugbauer
Boeing stellt für den Internet-Service unter seinem Label
„Connexion“ die Antennen und die Satellitenverbindung zur
Verfügung, Lufthansa Technik in Hamburg rüstet die Flugzeuge
mit der nötigen Elektronik aus (Flynet). Langfristig, schätzen
die Experten, wird dieser Service in Linienflugzeugen Standard sein.
„Wie Autoradio im Auto“, meint Andy Schweiger.
Während wir uns
nördlich von Amsterdam mit Kurs auf Grönland befinden, kommen
die ersten Antwort-Mails aus Deutschland. Und ein Gruß von meinem
Kollegen aus Sitzreihe 15A. Beim Surfen, auch auf umfangreichen Sites
mit viel Grafik und Fotos wie www.bbc.co.uk, www.rtl.de oder
www.cnn.com, lassen sich ebenso schnell wie zu Hause am Computer
aufrufen. Auch Chatten
geht problemlos, wie mein Sitznachbar meldet. Als Test hole ich eine CD
mit Power-Point-Präsentation aus der Tasche, die sich per E-Mail
ebenso zügig wie am Boden als Mail-Anhang verschicken lässt.
Gefühlte Geschwindigkeit: zwischen ISDN und DSL. „Wir arbeiten noch
nicht mit der größtmöglichen Bandbreite“, sagt Andy
Schweiger. Das hat finanzielle Gründe. „Transponder kosten ein
Vermögen“, erklärt Andrew Muirhead von Lufthansa Technik in
Hamburg. Erst wenn das Produkt in Serie geht, soll die volle Bandbreite
verfügbar gemacht werden. Derzeit wird die Satellitenkapazität
nur für ein einziges Testflugzeug gemietet. Nach der Erprobung im
April werden die Satelliten (Euroast und Intelsat) für Flynet
zunächst abgeschaltet, bis der Routinebetrieb beginnt.
Als
Laie fragt man sich, wie es mit der Datensicherheit beim Surfen
über den Wolken bestellt ist. Für Unternehmensmitarbeiter, die
an Bord arbeiten wollen, seine VPN (Virtual Private Networks) eine
wichtige Voraussetzung, so Wigger. Diese VPN stellen eine Art
Sicherheitstunnel zwischen dem Firmenserver und dem Laptop an Bord her.
Privatleute, die im Flugzeug surfen, sind wie zu Hause, auch auf ihren
eigenen Schutz angewiesen. „Der Versand vond E-Mails erfolgt meistens
über gewerbliche E-Mail-Anbieter“, sagt Schweiger. Die „Code
Protection“ sei nicht innerhalb von acht Stunden zu knacken. „Derzeit
diskutieren wir gesperrte Contents, um sicherzustellen, dass keine
unseriösen Seiten aufgerufen werden.“
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| Fliegen
und Surfen zwischen Frankfurt und Washington DC:
"Flynet"-Assistenten erklären den Passagieren, wie's geht. |
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