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"Hamburg ist Center of Excellence"Der Chef der Lufthansa Technik AG, August W. Henningsen, über Aktivitäten im Ausland und die Zukunft der FlugzeugwartungWelt am Sonntag 16. 6. 2002 www.heitfeld.biz storydesk@heitfeld.biz |
WELT am SONNTAG: Die Lufthansa Technik AG (LHT) ist bekannt als Ausstatter von VIP- und Geschäftsflugzeugen. Wie schätzen Sie diesen Markt ein? August W. Henningsen: Es ist für uns eine wichtige Nische von zehn Prozent des Umsatzes der LHT-Gruppe. Dieser Bereich, der Flugzeuge aller Größenordnungen bearbeitet vom Jumbo Jet bis zum kleinen Business Jet, bringt interessantere Ergebnisse als das übliche Geschäft. Unser Hauptgeschäft ist nach wie vor die Betreuung von kommerziellen Flugzeugen, für die wir auch Beteiligungen und Joint Ventures in anderen Ländern eingehen. WamS: Wie wichtig ist für Sie die Betreuung der Billig-Airlines, die im großen Stile Flugzeug-Shopping betreiben? Henningsen: Auch diese Fluggesellschaften brauchen Instandhaltung. Wir haben seit Jahrzehnten Kunden, die ein sehr gutes Verhältnis zwischen Kosten und Leistung wollen. WamS: Wie lässt sich Ihr Qualitätsanspruch weltweit realisieren? Beispiele wie Südamerika zeigen, dass die Techniker oft nicht mal genug Englisch können, um Manuals zu lesen. Henningsen: Bei unseren Joint Ventures ist das Thema Mitarbeiterschulung essentiell. Mit "Lufthansa Technical Training" haben wir eine eigene Tochtergesellschaft in dem Bereich. WamS: Wie darf man sich die Zukunft vorstellen? Werden die Techniker mobil eingesetzt? Henningsen: Wir richten die Betriebe zunächst auf bestimmte Basiskapazitäten aus. Mit unserem Joint Venture auf den Philippinen etwa soll erst einmal die Flotte der Philippine Airlines bedient werden. Aber wir werden dort auch, wie in Deutschland, weitere Services für den regionalen Markt anbieten. Wir haben derzeit 20 Mitarbeiter aus Deutschland auf den Philippinen, die das Wartungs- und Überholungssegment aufbauen. Und dort wollen wir mittelfristig auch für den globalen Markt anbieten, weil man dort günstiger produzieren kann als in Zentraleuropa. WamS: Also ist es auch denkbar, dass die Flotten der Verkehrsflugzeuge, die Sie bislang hier in Europa überholen, künftig auch in China betreut werden, weil es günstiger ist? Henningsen: Das ist vorstellbar. Die Kurzstreckenflugzeuge werden hier in Europa überholt, in Irland oder in Budapest. Lufthansa Technik verfügt über ein Netzwerk von verschiedenen Firmen, um diese Leistungen qualitätsgesichert zu fertigen. WamS: Bedeuten diese Entwicklungen für den Standort Hamburg eine Gefahr? Henningsen: Hamburg wird eigentlich immer wichtiger, weil die Zentrale und die ganzen Erfahrungen für alle Flugzeugmuster und Triebwerkstypen, die wir betreuen, hier vor Ort sind. Allein 2001 konnten wir in Hamburg 483 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Wir versuchen, diese Erfahrungen in unseren Betrieben draußen zu multiplizieren. Ohne die Internationalisierung würden wir die Flotten in der Welt gar nicht erreichen. Mit den Verfahren und Prozessen, die wir hier entwickelt haben, können wir in den regionalen Märkten auftreten und versorgen auf diese Weise Fluggesellschaften der Region wie Air China und Philippine Airlines. WamS: Ist China Ihr wichtigster Zukunftsmarkt? Henningsen: Er ist wichtig, aber für mich ist der wichtigste Zukunftsmarkt Nordamerika, wo unser Produktanteil heute noch gering ist. In diesem attraktiven Markt wollen wir expandieren. WamS: Wieso? Henningsen: Weil die meisten Verkehrsflugzeuge weltweit in Nordamerika fliegen. WamS: Dort haben Sie aber auch die schärfste Konkurrenz. Henningsen: Das stimmt. Aber es gibt in der Zwischenzeit viele kleine und mittlere Fluggesellschaften mit einer Flottengröße zwischen 50 und 100 Flugzeugen, die neu gegründet worden sind oder sich überlegt haben, bestimmte Leistungen einzukaufen. Das ist durchaus interessant. Früher konzentrierte sich alles auf United Airlines, American Airlines und Delta. Das ändert sich. Selbst die Großen überlegen, ob sie Leistungen outsourcen. In dem Szenario möchten wir mitspielen. WamS: An welchen Standorten? Henningsen: Da sind wir ganz frei. Wir haben bisher Vertriebszentren in Tulsa/Oklahoma und in Miami. Wir sind in Los Angeles. Unser Zentrum ist im Mittleren Westen, wo sich Bizjet befindet. Dort haben wir als zweites Standbein Lufthansa Technik Tulsa. Diese LHT-Tochter kümmert sich um Verbundwerkstoffe. Wir werden sicher nicht einen großen Betrieb kaufen und auf Kunden warten, sondern uns je nach Bedarf positionieren. WamS: Wo sehen Sie Ihre Hauptaufgaben in den kommenden Jahren? Henningsen: Die Herausforderung ist Wachstum. Wir wollen unseren Marktanteil vergrößern. Das müssen wir auch. Die Produktivität steigt. Flugzeuge werden zuverlässiger, Triebwerke fliegen länger. Ein Betrieb mit konstanter Kapazität braucht zunehmend mehr Flugzeuge, um ausgelastet zu sein. Der Ausbau unseres Verbundes hat Priorität. WamS: Wird Hamburg auch quantitativ wachsen? Henningsen: Hamburg wird als Entwicklungszentrum permanent ganz vorne mitspielen. WamS: Eine Art Elitetruppe? Henningsen: Wenn man so will. Wir
sind in Hamburg drastisch gewachsen in 2001. Das muss sich erst einmal
konsolidieren. Und wir müssen sehen, wie unsere Betriebe
außerhalb Deutschlands ausgelastet und mit Aufträgen versorgt
werden. Das muss ausgeglichen erfolgen. |
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