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  Chile & Co.
 
Europas
schwindender
Einfluss in
Lateinamerikas
Ökonomie

Ibero-Amerika-Tag der deutschen
Wirtschaft
in Hamburg




"Economía Chile"
November 2003













Birgit Heitfeld
storydesk@heitfeld.biz

 

Georg Braunleder sieht dunkle Wolken am Himmel aufziehen, wenn es um das Lateinamerikageschäft der deutschen Wirtschaft geht. „Europa muss lernen und verstehen, für sich zu werben. Nur Lieferland zu sein, reicht nicht mehr“, skizzierte der Chef des Chemiekonzerns Bayer Mexico SA zum schwindenden Einfluss des wirtschaftlich kränkelnden Kontinents mit Seitenhieb auf Deutschland. „Wenn Europa sich nicht stark positioniert, wird Lateinamerika andere Partner finden“, warnte der Bayer-Mann auf dem Ibero-Amerika-Tag in Hamburg. 150 Teilnehmer aus der Wirtschaft, von Handelskammer und Verbänden nutzten das Forum in Norddeutschland, um bei Power-Point-Präsentationen, informellen Aquise- und Hintergrundgesprächen sowie Smalltalk am Bufett über Themen wie Counry-Ratings, Direktinvestitionen und Handelshemmnisse zu diskutieren. Der Stargast des Galadiners jedoch ließ sich entschuldigen: Argentiniens Präsident Nestor Kirchner hatte seine Stippvisite an der Elbe kurzfristig abgesagt.

„Solchen negativen Tendenzen wie der abnehmenden Investitionsfreude in Lateinamerika müssen wir gegenübertreten“, meint auch Edouardo Bousquets, chilenischer Wirtschaftsattaché mit Sitz in Deutschland, im Interview. Bousquets reist regelmäßig durch die Berliner Republik, informiert sich über Trends und identifiziert neue Möglichkeiten zur Geschäftsanbahnung zwischen Deutschland und Chile. „Investitonen sind ein sehr wichtiges Thema“, meint Bousquets. „Betrachtet man die Zeit seit Anfang der 90er Jahre, so hat sich Deutschland inzwischen zum Schlusslicht entwickelt, was Direktinvestitionen betrifft.“ Das europäische Land stehe auf Platz 16, hinter Finnland. Die ersten drei Plätze belegten derzeit Spanien, die USA und England.

Größere Chancen für Kooperationen mit deutschen Unternehmen sieht Bousquets zum Beispiel im Weinbau. Drei Prozent der chilenischen Weine würden nach Deutschland exportiert, skizzierte der Attaché bei einem Gläschen argentinischem Trichet. „Viele europäische Winzer kommen nach Chile, um sich zu engagieren, aber in der Hausptsache Franzosen, Spanier und Italiener. „Wo bleiben die deutschen Winzer?“

Entwicklungspotenzial gebe es ebenfalls in den Zulieferfirmen für Bergbau in Chile, wo Deutsche sich mit ihrer Kompetenz engagieren könnten. Ein Vorbild liefert Siemens. Das Unternehmen installierte im Norden Chiles bei der Kupfermine „Los Pelambres“ ein 12,7 Kilometer langes Förderband, das von den Anden in 2.300 Meter Höhe bis ins Tal reicht und neben dem Rohstoff-Direkt-Transport auch noch Strom erzeugt. Solche Förderbänder könnten auch von mittelständischen Firmen in Sachsen produziert werden, meint Bousquets nach einem Besichtigungstermin in dem östlichen Bundesland, wo er die Arbeit solcher "Flicktrupps per Hubschrauber" kennengelernt hat.

Cristián Lizana, LanChile-Vertreter und Manager für Firmenkundenaquise in Deutschland und Österreich, warb auf dem Ibero-Amerika-Tag 2003 im "Direktmarketing-Verfahren" für neue Geschäftskunden, die auf LanChile umsteigen können und verwies auf die zahlreichen Auszeichnungen als Lateinamerikas beste Airline.

Auch der europäische Luftfahrtkonzern EADS ist dabei, Aufträge bei den Chilenen zu akquirieren. Zum einen geht es um ein Grenzüberwachungssystem für den Norden des Landes, wo aus Peru und Bolivien illegale Einwanderung und Drogenschmuggel Probleme bereiten. "Über das Vorhaben, ein Projekt von 40 bis 50 Millionen Dollar, wird Ende 2004 entschieden", sagt Hans Ilou, der im Bereich "Business Development" für EADS in Lateinamerika verantwortlich zeichnet, am Rande des Iberoamerikatages. "Wir haben gerade eine Studie für die chilenische Polizei angefertigt, denn diese ist für die Grenzüberwachung zuständig." Bei einem zweiten Projekt, um das EADS sich ebenfalls bewirbt, geht es um einen Auftrag über rund 16 Millionen Dollar. Die Aufgabenstellung: Auf der Werft in Talcahuano sollen drei von vier Fregatten für die chilenische Armada gebaut werden, die vierte Fregatte in dem Land, wo das bewerbende Schiffbau-
Unternehmen den Zuschlag erhält. Aus Deutschland ist das Unternehmen Blohm & Voss mit im Rennen. EADS konkurriert mit einer Handvoll Firmen aus aller Welt um die Installation der Kommunikationssysteme an Bord dieser Schiffe, also Sensoren und Antennen, die bei der militärischen Navigation vonnöten sind.

"Chile ist im Bereich IT sowie in punkto Konzeption sehr stark", lobte Bodo Liesenfeld, dessen Unternehmen Rohde und Liesenfeld in der Logistik mit chilenischen Firmen kooperiert. Doch gebe es in dem südamerikanischen Land teilweise sehr konservative gesetzliche Regelungen, die die Tätigkeiten für internationale Unternehmen erschweren, meint der Hamburger Unternehmer. Wirtschaftsattaché Bousquets konterte, dass Chile sich aktiv um Abhilfe bemühe - zum Beispiel mit einem "Doppelbesteuerungs- abkommen", das gerade mit der Bundesrepublik ausgehandelt wird.

























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