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| Vorwärts in die Vergangenheit In Hamburg können die Nachkommen von Auswanderern jetzt online nach ihren Vofahren suchen. Das Netz-Projekt heißt "Link to Your Roots" Die Welt, Webwelt 11. Oktober 2000 www.heitfeld.biz storydesk@heitfeld.biz |
Im Staatsarchiv im
Stadtteil Wandsbek sitzen 27 Mitarbeiter mit dicken Lupen vor
großen Büchern mit alten Schiffspassagier- listen.
Mühsam entziffern sie die hand- schriftlichen Einträge in den
vergilbten Folianten und tippen Name für Name in den Computer ein.
Und das ist erst der Anfang: Am 25. und 26. Oktober findet in Hamburg
ein Auswandererkongress statt, bei dem Experten aus aller Welt zu Gast
sein werden. Diskutiert werden soll dann auch, ob eine digitale
Vernetzung der euro- päischen Auswandererhäfen möglich
ist. Im Laufe des 19.
und 20. Jahrhunderts hatten sich in Hamburg insgesamt fünf
Millionen europäische Auswanderer eingeschifft - allein vier
Millionen, die ihr Glück in den USA suchten. Viele flohen vor
Hunger oder politischer Verfolgung. Bislang stehen bei "Link to your
Roots" erst die vier Auswandererjahrgänge 1890 bis 1893 im Netz,
das sind Daten von 270 000 Menschen. "Binnen vier bis fünf Jahren
sollen alle verfügbaren Jahrgänge eingegeben werden", sagt die
Hamburger Rathaus-Sprecherin Kristel Gießler. Zuerst 1890 bis
1914, später die Randjahre 1850 bis 1934. "Ich habe in Ihrer
Datenbank meinen Großvater entdeckt", schreibt Thomas Semelbauer
aus Kalamazoo im US-Bundesstaat Michigan in einer Dankes-E-Mail ans
Hamburger Staatsarchiv. "God bless you all!" Opa Richard - so ergab
seine Recherche - hatte sich 1890 als 25-Jähriger allein nach New
York aufgemacht. Am 7. November, einem vielleicht verregneten
norddeutschen Herbsttag, hatte der Arbeiter, der seinen Nachnamen noch
mit einem doppelten "M" schrieb, in Hamburg eingecheckt. Sein Ticket war
gut für einen Platz im Zwischendeck der "Normannia". Seine
Passagiernummer: A1890.0361. Glaubt man Enkel Thomas Semelbauer, hat
sein Opa in der neuen Heimat neun Kinder gezeugt. "Richard was a very
good man", kommentiert der Enkel aus Kalamazoo. Bislang ist der
Recherche-Service noch gratis, doch bald hält auch hier der
E-Commerce Einzug, wenn auch im kleinen Stil. Dann müssen die
Ahnenforscher ihre Kreditkarte zücken, um an Informationen zu
kommen. Preis pro Recherche: "Eine Gebühr unter 50 Dollar", sagt
Jürgen Sielemann, der Leiter des Hamburger Staatsarchivs. Das
Prinzip: Einige Informationen wird es weiterhin gratis geben - pro
Eintrag halten die alten Passagierlisten im Schnitt 25 Daten zur Person
bereit. Doch das entscheidende Puzzlestück kostet Geld: der
Heimatort des Auswanderers. Denn erst wenn man ihn kennt, ist eine
weiter gehende Suche möglich. Richard Semmelbauer etwa stammte aus
dem Ort Vollmann in Böhmen. Und so ist
Auswanderung auch in Zeiten von Internet und E-Commerce ein lukratives
Geschäft. Paul Flamme, Informatiker im Hamburger Staatsarchiv,
fantasiert schon von Buddelschiffen, Urkunden auf Büffelleder und
anderen originellen Merchandising-Artikeln für Kandidaten wie
Thomas Semelbauer, die für das Projekt etwas Geld in die Kasse
bringen könnten. Und der Flughafen der Hansestadt würde mit
dem Ahnenforschungsargument am liebsten wieder eine Airline zur Aufnahme
einer Direktverbindung Hamburg - Chicago bewegen. Erstmals wurde in
diesem Jahr in den USA bereits für eine "Four Day Emigration"-Tour
mit Hotelübernachtung und Führung in Hamburg geworben. Preis:
598 Dollar. "Vier Millionen
Auswanderer in die USA: Stellen Sie sich die unglaubliche Zahl von
Nachkommen vor", schwärmt Jürgen Sielemann vom touristischen
Potenzial, das durch das Angebot der Online-Recherche erschlossen wird.
Nicht nur virtuell, auch im realen Leben wittern die Hamburger in Sachen
Emigration darum Morgenluft. Die letzte erhaltene Auswandererhalle im
Hafengebiet soll nun mit Hilfe von Sponsorengeldern restauriert und in
ein paar Jahren zum Gegenstück der Einwandererinsel Ellis Island
bei New York umgestaltet werden - Auch anderswo wird
die Geschichte der Emigration aufgearbeitet, wenngleich die
Voraussetzungen nicht so ideal sind wie in Hamburg. In Bremerhaven, wo
sich zwischen 1820 und 1939 mehr als sieben Millionen Menschen nach
Nordamerika einschifften, wurden die meisten der Originaldokumente wie
Passagierlisten zerstört. Deshalb verfährt man hier bei der
Recherche andersherum: Mit Hilfe der Einwan- dererlisten von Ellis
Island (zum Beispiel aus den "National Archives") ließ sich
teilweise zurückverfolgen, wer über Bremerhaven emigrierte.
Auch hier gibt es eine elektronische Recherchemöglichkeit, und zwar
über die Deutsche Auswanderer- Datenbank (DAD). Übers Internet
kann man dort allerdings nur das Suchformular ausfüllen. Kosten
pro Auftrag: 30 Mark für Anfragen aus Europa, 45 Mark für die
Suche aus Übersee. Vorreiter bei den Online- Datenbanken waren die
USA, und dort das "Center for Immigration Research" an der Balch
Universität von Philadelphia In
Hamburg kommen rund 85 Prozent der Anfragen aus Nordamerika. "Als wir
mit ‚Link to your Roots' starteten und viele genealo- gische
Gesellschaften in den USA über unser Projekt informierten, hat sich
das Ganze wie ein Lauffeuer herumge- sprochen", sagt Paul Flamme. Die
Amis |
Hamburger Staatsarchiv www.hamburg.de/LinkToYour Roots/welcome.htm Infos zur Auswanderung über Bremerhaven www.deutsche-auswanderer- datenbank.de www.historisches.museum- bremerhaven.de/AIF.htm Einwandererinsel Ellis Island www.ellisisland.com Die Uni Oldenburg hat auch einige Pasagier- listen im Web, bietet aber nur Namen und Ausreisedatum. Weitere Recherche per Web ist nicht möglich www.uni-oldenburg.de/nausa Die Mormonen-Site zur Ahnenforschung www.familysearch.com Ahnenforschung allgemein www.ahnenforschung.net Home Home Home |
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