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 Ready For Take-Off

London mit dem Aldi der
Lüfte

PRAXISTEST:

Per Billigflieger Ryanair von
Hamburg in die britische Hauptstadt



Hamburger Abendblatt
Reise, 7. Sept. 2002



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Ist Lübeck ein Stadtteil von Hamburg? Gehört Hahn zu Frankfurt? Auf der mentalen Landkarte von Micheal O'Leary schon. Der Boss des Billigfliegers Ryanair hat den Luftraum über Europa aufgemischt. Geflogen wird bei Ryanair von kleineren Flughäfen, wo die Gebühren niedrig sind. Siehe Lübeck. Ryanair ist hipp: Passagiere kommen sogar aus Berlin und Hannover nach Lübeck, um billig nach London zu fliegen. Lübeck-London: ein Selbstversuch mit dem irischen Aldi der Lüfte.

HE31BC. Hinter dem Buchstabencode verbirgt sich das Flugticket, das bei Ryanair übers Internet gebucht wurde. Die ausgedruckte E-Mail mit der Nummer zeigt man nebst Pass am Flughafen vor. Herkömmliche Flugscheine gibt es nicht mehr. Durch diesen Direktvertrieb spart das Unternehmen. Ein Vorteil beim Buchen: Man kauft, anders als bei klassischen Airlines, einzelne Strecken und kann flexibel reisen. Ein Klick auf www.ryanair.com. Für 14,99 Britische Pfund (etwa 27,50 Euro) Hinflug nach London? Ein weiterer Klick zeigt, für welche Ausnahmefälle dieses Sonderangebot zutrifft. Fazit: Wer sehr flexibel und spontan ist und ungewöhnliche Reisezeiten nicht scheut, kann unter Umständen sehr günstig abheben. Die meisten Tickets sind aber deutlich teurer. Beispiel: Montag, 22. Juli, morgens von Lübeck nach London; Donnerstag, 25. Juli, abends zurück. Das billigste Hin- und Rückflugticket ist für 119,62 Euro zu haben, inklusive Gebühren und Steuern. Sobald man gezahlt hat - per Kredikarte übers Web oder Rechnung und Überweisung -, erhält man die Bestätigungs-E-Mail mit der Flugnummer. Die Website soll idiotensicher sein. Ruft ein ratloser Passagier bei der Hotline an, kostet er Ryanair schon zu viel Geld. Auch Reiseversicherungen, Mietautos und Hotels gibt es auf der Internet-Seite. Was fehlt, ist eine Straßenkarte zu den Provinzflughäfen wie Lübeck oder Hahn.

Vom Hamburger Busbahnhof startet frühmorgens ein roter Ryanair-Bus. Exklusiv für die Passagiere. Für acht Euro wird man passend zum Check-in wie bei einem Charterflug direkt bis ans Lübecker Terminal gebracht. Englische Armee-Familien mit kleinen Kindern, eine allein erziehende Mutter, Rucksacktouristen und "Smart Shopper" sind unterwegs in die englische Metropole. Es regnet.

In Lübeck-Blankensee fährt der Bus vorbei an der Gaststätte "Zum Bruchpiloten". Das ist wenig Vertrauen erweckend. Doch, sagen Experten, die Wartung spiele bei Billig-Airlines eine elementare Rolle, da zuverlässige Flugzeuge wichtig bei der Kalkulation sind. Die größten Einsparungen erreichen Carrier wie Ryanair nicht durch den fehlenden Bord-Service, sondern durch die kurzen Umlaufzeiten der Flugzeuge.


Am Check-In-Schalter muss man Flugnummer und Pass parat haben. 15 Kilo Gepäck, sieben Kilo Handgepäck. Maximal zwei Teile. Das wird streng gehandhabt. Trauben von Menschen sitzen bereits im Boarding-Room in Lübeck-Blankensee. Kaffee gibt es aus dem Automaten für 1,50 Euro. Das Ganze erinnert an einen Charterflug nach Mallorca. Ein absurd anmutender Unterschied: Gelingt es einem Passagier, ein Ticket für neun britische Pfund zu ergattern, so ist die Passage von Lübeck nach London mit Ryanair unter Umständen günstiger als der 50-minütige Trip vom Londoner Flughafen mit dem Stansted-Express für zehn britische Pfund in die Innenstadt.

In der Boeing 737-800 angelangt, heißt die Devise "Free Seating" - also freie Sitzwahl. Anrecht auf einen Fenster- oder Gangplatz oder auf eine bestimmte Reihe hat niemand. Kaffee und Tee werden gegen Gebühr serviert. Auch typische Duty-free-Artikel sind im Angebot.

Drei Tage später: Rückflug von Stansted. Dieser neue Flughafen im Osten von London ist ganz auf Billig-Airlines ausgelegt. Der Flug nach "Hamburg" mit der Nummer FR 438 hat über eine Stunde Verspätung. "Das nächste Mal würde ich lieber ein paar Mark mehr zahlen", sagt ein Reisender aus Hannover, der in einer Gruppe unterwegs ist. "Mit den ganzen Verspätungen verpassen wir die Anschlüsse." Auch eine Mutter aus Berlin, die aus Spargründen mit ihren beiden Teenagern über Hamburg und Lübeck den Weg in den Flieger nach London gefunden hat, hat die Nase voll. Nach einer Stunde Wartezeit in den Coffee-Bars und Shopping-Malls des Terminals hebt der Flieger ab. Später Passkontrolle in Lübeck, dann in den Ryanair-Bus nach Hamburg.

Eine sechsköpfige Familie aus Wales will weiter nach Kiel: Sie hat die Tickets für weniger als 200 britische Pfund erworben. Ein Urlaubsvergnügen für die ganze Familie, das sie sich ohne Ryanair nicht leisten könnte.





















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