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Himmel gibt es natürlich auch Kaviar In Flugzeugen speist man erster Klasse besser als in manchen Bodenrestaurants - Haute Cuisine bei Lufthansa kommt aus Kapstadt Stuttgarter Zeitung, 13. Dezember 2003 Birgit Heitfeld storydesk@heitfeld.biz |
Isaac Newton hätte gestaunt. Im
17.
Jahrhundert schrieb er die Gesetze der Schwerkraft auf, aber wie
hätte er ahnen können, dass eines Tages Menschen nicht nur in
fragilen Metallröhren durch die Lüfte
schweben, sondern dabei auch noch die raffiniertesten
Fünf-Gänge-Menüs goutieren, Champagner
schlürfen, feinste Pralinen von Schweizer Chocolatiers knabbern.
Charles Lindbergh überquerte zwar den Atlantik, aber er war
seinerzeit zu beschäftigt mit der geringen Flughöhe, als dass
er an die Sandwiches und fünf Armeekonserven mit einer
schokoartigen Masse denken konnte, die neben dem Rettungsboot verstaut
waren. Da mussten erst Typen wie Paul Bocuse, Harald
Wohlfahrt & Co. kommen, um Heilbuttfilets mit Petersilienhaube,
geräucherten Straußenschinken und Bries, Comtés und
Bleu d’Auvergnes das
Fliegen beizubringen. Schwerkraft ade für epikureische
Genüsse! Ob Lufthansa,
Emirates, Austrian Airlines oder Royal Brunei: Fluggesellschaften
entwickeln
kulinarische Konzepte, um Vielflieger mit edlen Gaumenfreuden zu
verwöhnen. „Darf ich bei
Ihnen
eindecken?“ fragt die Flugbegleiterin den Passagier in Reihe 4A,
nachdem der
Jumbo mit Kurs Kapstadt die Reiseflughöhe erreicht hat. Im
Bordfunk gibt es
George Gershwin’s Rhapsody in Blue, Kantaten von Bach oder „Major Tom“
von
David Bowie. „Was darf ich Ihnen zu trinken anbieten? Ein Glas
Champagner, den
Chardonnay aus Kalifornien oder den chilenischen Rotwein?“ Der
„Do-it-right“-Guide für die Flugbegleiter“ für die First
Class sieht einen
besonderen Service für Statuskunden wie „Senatoren“ vor, betont
die „Liebe zum
Detail“. Darin wird in Bildern die „Kranich-nach-vorn-Falttechnik“
für die Stoffservietten
erklärt, die dann wiederum mit einer frischen Rose auf dem
ausklappbaren
Tablett eingedeckt werden. „Der Gast kann zwischen drei Vorspeisen und
Kaviar
auswählen. Beides immer zweimal anbieten“, heißt es in dem
„Excellence“-Guide.
Und: „Etageres für die Vorspeisen als Schaustück anrichten.“
– „Wodka aus
gefrosteten Gläsern anbieten.“ Plastikhauben von den
Vorspeisentellern
entfernen.“ Wer als
Flugpassagier rund
6700 Euro für ein Business-Ticket oder 9400 Euro für eine
First-Class-Passage,
etwa von Hamburg nach Santiago de Chile, hinblättert, erwartet vom
Catering
mehr als ein eingeschweisstes Lunch-Tablett und die Auswahl zwischen
„Chicken
Terriaki“ und „Beef Sirloin“. Meinen jedenfalls die Airlines.
Lufthansas
Konzept für diesen Fall heißt „Connoisseurs on Board“.
Ausgewählte Chefs aus
aller Welt zaubern ihre Kreationen für den Genuss in der Kabine.
Einer von
ihnen ist Frank Slomke (40). Der gebürtige Wuppertaler arbeitet
zurzeit im
„Bosmans“, dem Restaurant des Luxushotels „Grande Roche“ im
südafrikanischen
Paarl im Wine-Country nahe Kapstadt. Seine Cuisinier-Handschrift soll
die
Bordmenüs für die Vielflieger verfeinern. Nicht gerade eine
triviale Aufgabe,
skizziert Slomke.
Damit sein
Confit von der
Lachsforelle oder sein Springbockrücken in Sauerkirschkruste der
Schwerkraft
trotzen und an den Gourmets an Bord munden kann, ist eine umfangreiche
Prozedur
erforderlich. Vom leidenschaftlichen Entwurf in der
südafrikanische Chefküche –
bis hin zum bordtauglichen Catering muss das Menü viele Stationen
und
Praxistests durchlaufen. „Zuerst war das schon ein kleiner Schock“,
gesteht
Frank Slomke, als er sah, was von seiner ursprünglichen Idee nach
all den
Abstrichen für die „Über-den-wolken-Mini-Tablett“-Version
übrig blieb. Denn das
Essen im Flugzeug muss genau definierte Anforderungen erfüllen.
Die Portionen
dürfen eine bestimmte Größe nicht überschreiten,
damit sie in der Galley
(Bordküche) in den kleinen Fächern des Ofens zubereitet und
erhitzt werden
können. Roher Fisch ist im Flugzeug aus Hygienegründen tabu,
Schweinefleisch
aus religiösen Überlegungen. Für die rund ein Dutzend
First-Class-Passagiere an
Bord eines Jumbos wird so viel wie möglich in der kleinen Galley
frisch
erhitzt. In der Business Class müssen die Fluggäste mit
tiefgefrorenen Prudukten
Vorlieb nehmen, die zum Beispiel bei der LSG (Lufthansa Service
Gesellschaft)
in Frankfurt vorproduziert werden. Auch logistisch muss das Essen
handelbar
sein. Täglich werden bis zu 7000 Portionen allein für die
Statuskunden
serviert. Insgesamt gebe es auf einem Langstreckenflug, zum Beispiel
von
Frankfurt nach Südafrika, rund 30 verschiedene Bordmenüs,
wenn man die
Eco-Class dazu rechnet, erklärt Purserin Ulrike Sous. Ob Kosher
oder Hindu,
Vegetarisch oder Diät-Essen: Mit ihrem Ticket können sich die
Fluggäste für ein
bestimmtes Menü entscheiden, das man 36 Stunden vor Abflug
anmelden muss, egal
welche Klasse. Dabei wollen die Airlines den verschiedensten
kulturellen und
kulinarischen Vorlieben Rechnung tragen. Das weltweite Bordcatering ist
ein
lukratives Geschäft, mit dem nach Angaben der „International
Flight Catering
Association“ (IFCA) jährlich 15 Milliarden Dollar umgesetzt
werden. Tendenz:
fünf Prozent Steigerung pro Jahr.
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